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Der zweite Schulbesuch

Nachdem ich gestern Abend nicht mehr fähig war den Tag Revue passieren zu lassen, geht es heute mit diesem Artikel weiter.

Gestern am Vormittag waren wir an der französischen Schule in Helsinki und schon beim ersten Eindruck war klar, das ist whs. keine herkömmliche Schule. Wir starteten in der großen „Multifunktionshalle“, wo unter anderem auch das Mittagessen für die SchülerInnen stattfindet. Dies ist für alle SchülerInnen gratis! (Gilt für alle Kinder in Finnland trotz Halbtagsschule) Was auch spannend ist, die Eltern können in der Früh relativ günstig mit der Kindern in der Schule frühstücken.

Der Direktor der Schule macht für uns die Einleitung in einer Art Vortragssaal (ausgestattet ähnlich wie auf einer Uni) und verstärkte den Eindruck, dass die Schule nicht herkömmlich, aber auch keine Privatschule ist.
Was jedoch normal ist, dass 30% des Curriculums von den Schulen selbst ausgelegt und umsetzt werden kann. Das macht die Schulen sehr flexibel und handlungsfähig.
Der Direktor erzählt uns zahlreiche spannende Fakten und Anekdoten und stellte uns das Projekt FaktaBaariEdu vor. Dabei geht es darum, dass die SchülerInnen zwischen Falsch-, Miss- und „Mal-„Information unterscheiden lernen und das SchülerInnen und LehrerInnen besser auf die gegenseitigen Informationsquellen eingehen, diese bewerten und verstehen können. Ein spannendes Projekt aus dem man einiges für den eigenen Unterricht herausziehen und mitnehmen kann. Dabei zeige er uns auch eine Checkliste für die Bewertung von Informationen, welche für jeden interessant sein sollte.

Checkliste für Informationen

In dieser Woche haben die SchülerInnen gerade „Exam-Week“ und daher konnten wir nur teilweise in die Klassen gehen. Es gab aber doch einige sehr spannende Punkte:

  • Das System in der Oberstufe ist modular aufgebaut und die SchülerInnen haben eine hohe Wahlrate. Dabei können alle SchülerInnen ab der 10. Schulstufe 35 von 75 Kursen frei wählen und 40 sind Pflicht. Ein Kurs hat normal 38 Einheiten und dauert 7 Wochen. Nach den 7 Wochen gibt es die Prüfungswoche. Das System ähnelt sehr stark dem Uni-System, da die Jugendlichen die Wahl haben, wann sie was machen und es grundsätzlich eine hohe Selbstverantwortung gibt. Es gibt zwar Vorschläge der Lehrpersonen bzw. der Schule, aber grundsätzlich können sie selbst wählen.
  • Alle SchülerInnen haben ein Notebook und MS Teams als Arbeitsplattform. Sollte jemand Schwierigkeiten mit der Anschaffung haben, dann gibt es von der Schule viele Leihgeräte bzw. Unterstützung für die Familien.
  • Der Direktor ist u.a. nicht nur für die Anstellung der LehrerInnen zuständig sondern handelt auch direkt mit Microsoft den Deals für MS Teams aus!
  • Alle Tests in der Oberstufe werden digital geschrieben, da die Abschlussprüfungen in der letzten Klasse ebenfalls digital bearbeitet werden. Die Abschlusstest sind die einzigen staatlich vorgegebenen Tests. Ich würde sagen, ähnlich unserer Zentralmatura, aber eben digital. Die SchülerInnen müssen in mind. 4 Fächern die Prüfungen ablegen, können aber auch mehr machen….und, sie können die Prüfung machen, wann immer sie wollen. Bei den 4 Fächern müssen sie fix die Muttersprache wählen und 3 der folgenden 4: zweite Nationalsprache (schwedisch), eine Fremdsprache, Mathematik oder eines des Fächer Geo, Geschichte, Physik, Chemie, … Es ist also festzuhalten, dass sie nicht zwingend Mathematik wählen müssen.
    Die Schulbuchverlage bieten neben den Büchern auch gleich direkt die digitalen Tests an.
  • Im Bezug auf die Digitalisierung gibt es sehr viel Unterstützung für die LehrerInnen. Dabei hat ein Lehrer konkrete Stunden für die Unterstützung der Lehrer im päd. Einsatz der digitalen Hilfsmittel. Es gibt immer wieder Gruppenmeetings und auch Online-Fragerunden, was die KollegInnen brauchen.
  • LehrerInnen sind nicht immer gleich ausgelastet. Durch die 7 Wochen Kurse kann es durchaus vorkommen, das in einer Periode viele Kurse und ein anderes Mal weniger Kurse für einen Lehrer zu halten sind. Organisatorisch nicht immer ganz einfach, aber gut machbar.
  • Zur Prüfung verwenden sie wie wir an unserer Schule Linux Sticks. Das funktioniert gut. Für Mathematik wird weitgehend GeoGebra verwendet. Wobei ich auch die TI nspire App gesehen habe.

Der Schulbesuch war äußerst interessant und ich konnte viele Erfahrungen machen. Was etwas offen geblieben ist, ist die Frage wie es in „Regelschulen“ abläuft. Da aber auch diese das Curriculum umsetzen müssen, läuft es anscheinend dort ähnlich ab. Was mir auch noch nicht ganz klar ist, wenn SchülerInnen die Abschlussprüfungen jederzeit machen können, wie werden die staatlichen Prüfungen zur Verfügung gestellt bzw. wer arbeitet daran.

Am Nachmittag haben wir dann mit der App Actionbound Helsinki erkundet. Es war toll die App mal direkt in Action selbst auszuprobieren und Erfahrungen für den Unterricht mitzunehmen. Gleichzeitig konnten wir Helsinki etwas kennenlernen. Die Reise endet in der atemberaubenden Oodi Library. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Bibliothek, sondern eher um einen Begegnungsraum für alle in Helsinki. Neben klassischen Büchern kann man gratis Meetingräume, 3D-Drucker, Plotter, Nähmaschinen, Videospielplätze, Krabbelplatz für die Kleinen und vieles mehr nutzen (teilweise sind die Materialkosten zu bezahlen). Ein wirklich sehenswertes Gebäude mit Wohlfühlfaktor.

Zum Abschluss des Tages waren wir dann noch beim Eishockey-Match des IFK Helsinki gegen Lukko. Ein würdiger Abschluss für einen tollen Tag – just amazing.

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